briefwechsel mit dem lenz

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also jetzt dann handschriftlich
schreibend, wie du
weißt, nicht meine
art, doch was
bleibt, wenn nur noch offizielles
mit der aufschrift „eilmeldung“ dich
erreicht. drum diese bitte,
obgleich sie von deinem
turbulenten lebenstreiben
abweicht, nur ein wenig
zeit dir einzuplanen für deinen
alten freund.

auf die gefahr hin,
dass ich dich wahrlich nun vergraule,
es grüßt dich herzlich:
ich, dein lenz, der faule.

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in jedem atemzug von dir

in jedem atemzug von dir
erkenne ich die
liebe.

diese unaufdringliche, aber immer
seiende und am leben haltende
liebe.

in diesen zeitlosen momenten, wenn wir
vom hetzen, das sie leben nennen,
pausieren,
uns von den stimmen distanzieren,
die nur zur überredung existieren,

erkenne ich sie.
obwohl sie doch jederzeit da ist und war und
nur darauf wartet gesehen, gehört,
geatmet zu werden.

in jedem atemzug von dir
erkenne ich die
liebe.

 

systemkritik

wie lang will ich mich noch
verformen und verbiegen lassen,
mich unter den scheffel
der gesellschaft stellen,
um zu verblassen?

hochleistungsdruck,
um erwartungen gerecht zu sein
ist kein freund der freiheit,
denn er knebelt
und er sperrt sie ein

wie lang will ich noch
nur davon reden und predigen
unter den heiden und seeligen,
den verlorenen ewigen,
um mich dann doch,
so fein und adäquat,
dem gros der welt nur anzupassen
nicht so frei zu sein, um aufzustehen
sondern so feige sein, um es zu lassen?

die zeit ist da
ich werd‘ erwartungen enttäuschen
und systeme kritisieren
wunden werde ich reißen
die meisten davon tief in mir
werd‘ mich von alten mustern trennen
von gesetzlichkeit und heuchelei
ich schrei‘ es in die nacht hinaus
ab heute fang‘ ich an zu sein.

der sessel

ich setze mich zu ihm,
wenn ich lese,
meine gedanken kreise ziehen,
wenn ich träume am tag,
und über das leben denke,
wenn ich schreibe,
und so manche zeilen gleich wieder verwerfe,
wenn ich pausiere,
und mich dem alltag entziehe.

still schweigend trägt er die lasten von
gewicht und gedanken.